
Rosenroulette
Bauer nickte und klammerte sich neben einer jungen dunkelhäutigen
Frau mit drei kleinen Kindern an eine Haltestange. So unauffällig
wie möglich suchte er mit seinen Augen den Bus nach dem Pförtner
ab. Am anderen Ende des Busses entdeckte er ihn, er sah genau in seine
Richtung. Bauer nahm sein Handy und rief Dick an.
»Kannst du nicht lauter reden, Ricardo, ich verstehe fast nichts. Wo fährt
der Bus hin?«
»Nach Alajuelita.«
»Ach du Scheiße, eine bessere Gegend hättest du dir nicht aussuchen
können.«
Bauer hatte keine Lust, sich jetzt von Dick erklären zu lassen,
warum Alajuelita in seinen Augen eine schlechte Gegend ist.
»Ich rufe dich wieder an, wenn ich da bin,« erwiderte er kurz und
beendete das Gespräch.
Der Bus fuhr immer weiter aus der Stadt heraus, die Gebäude wurden
jetzt flacher und einfacher, die meisten schienen nur aus zwei oder drei
Räumen zu bestehen. Es gab nun auch keine befestigten Gehwege mehr,
sondern nur noch Schotterstreifen. Mit Eisen vergitterte Fenster schützten
die Häuser, in denen Bauer ab und zu einen Fernseher flimmern sah.
Herrenlose Hunde streunten neben der Straße. Der Bus fuhr nun mit
hoher Geschwindigkeit, an jeder Haltestelle legte der Fahrer eine Vollbremsung
ein, als ob er jedes Mal von der Existenz der Haltestelle überrascht
würde. Der Bus leerte sich zunehmend, der Pförtner hatte sich
inzwischen zu einem Mann in Monteurskleidung gesetzt, mit dem er sich
angeregt unterhielt.
Wieder stoppte der Bus abrupt, alle Leute standen auf und stiegen aus.
Bauer verließ als letzter den Bus, inzwischen dämmerte es.
Der Pförtner ging mit dem Monteur eine ruhige Strasse entlang und
verschwand dann mit ihm in einem kleinen grün angestrichenen Haus,
nachdem er ein eisernes Gartentor aufgesperrt hatte.
24-Stunden-Komfort-Bestellung >>
mit Autogramm
|